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Schwabezollblues mit schriftdeutschen Untertiteln

Slideshow Schwabenzollblues

Meine deutschen Freunde, welche nicht unbedingt aus der Grenzregion zur Schweiz kommen, ärgern sich über diesen Song. Im Text ist offensichtlich die Rede von ihnen, aber nach deren eigener Aussage „kein Wort zu verstehen“.

Im Sinne des Versuchs einer weitergehenden Verständigung habe ich mir deshalb die Mühe der schriftdeutschen Untertitelung gemacht.

Zudem hat sich es sich herausgestellt, dass die Thematik des Songs durchaus einer Erläuterung für Norddeutsche, Ostdeutsche und Südschweizer, welche mit den regionalen Verhältnissen oft nicht vertraut sind, bedarf. Ich versuche es jetzt einfach mal mit Stichwörtern:

Wie es funktioniert: Personen mit Wohnsitz in der Schweiz erledigen Ihre Einkäufe in Deutschland. Das Geschäft gibt ihnen einen Ausfuhrschein oder Ausfuhrkassenzettel. Bei ihrer Rückkehr in die Schweiz legen sie diesen beim deutschen Zoll vor und kriegen einen Ausfuhrstempel. Damit erhalten sie die in Deutschland entrichtete Mehrwertsteuer, auch als Umsatzsteuer bezeichnet, zurück. Entweder direkt im Geschäft beim nächsten Besuch oder mit Überweisung.

Wer hat’s erfunden? Diese Frage kann derzeit leider noch nicht abschliessend geklärt, und schon gar nicht mit „wir Schweizer“ beantwortet werden.

Wer sich über diese Regelung freut: Die Einkäufer mit Wohnsitz in der Schweiz.
Und natürlich der gesamte süddeutsche Detailhandel, welcher dadurch ein massives Umsatzplus verbucht.

Wer sich weniger über diese Regelung freut: Personen mit Wohnsitz im deutschen Grenzgebiet. Diese verdienen in Deutschland meist weniger als in der Schweiz und zahlen auf ihren Einkäufen die volle Mehrwertsteuer. Zudem sind die dortigen Läden vor allem an den Wochenenden hoffnungslos mit Schweizern überfüllt.
Und natürlich der gesamte schweizerische Detailhandel, welcher dadurch ein massives Umsatzminus verbucht.

Reisefreimenge: Waren im Wert von bis zu CHF 300 pro Person dürfen steuerfrei in die Schweiz eingeführt werden. Für eine ausgiebige Einkaufstour in Deutschland empfiehlt es sich aus diesem Grund dringend, Oma, Opa, sämtliche verfügbaren Kinder und weitere Verwandte in das Auto zu packen. Ob diese mitkommen möchten ist in diesem Zusammenhang völlig unerheblich.

Erhöhtes Aufkommen von Einkaufstourismus: Ist jeweils ab 20. bis Ende Monat zu beobachten, wenn das Gehalt (der sogenannte Zahltag) auf dem Konto eingetroffen ist. Und natürlich vor Weihnachten.

Tipps für Profis: Der gewiefte Einkäufer schaut auf zusätzliche Aktionen (10% auf alles) und ruft die Wochenangebote von Norma, Penny, Lidl, Aldi, REWE, DM und Drogerie Müller auf. Dank Internet muss er glücklicherweise keine Angebotsprospekte mehr in Deutschland holen.

Der krönende Absch(l)uss: Die deutschen Stempel sind gesetzt, die Ausfuhrscheine fein säuberlich im Rundordner abgeheftet und bei einem leckeren Tannzäpfle Bier wird durchgerechnet, wie viel heute schon wieder gespart wurde.

Die Ökobilanz: Obwohl keine wissenschaftlichen Untersuchungen vorliegen, lässt sich mit annähernder Sicherheit sagen, dass Greta wohl keine Freude hätte.

Der Schwabe: Wer meint, dass hier Bewohner der Region Schwaben gemeint sind, liegt falsch. Der Schwabe ist vielmehr der schweizerdeutsche Ausdruck für Deutscher sowohl im neckenden, im bewundernden wie auch im abschätzig gemeinten Sinn. Je mehr Lebensweise und Sprache von schweizerischen Gepflogenheiten abweichen, desto mehr Schwabe. Das Gebiet der Urschwaben erstreckt sich demnach in etwa von Lorsch her nördlich quer durch ganz Hessen und Niedersachsen bis nach Lüneburg.

Der Schweizer: Im Zusammenhang mit dem Schwabezollblues sind sämtliche Personen mit Wohnsitz in der Schweiz gemeint. Einen nicht unerheblichen Anteil daran bilden auch die Schwaben und andere Personen mit Migrationshintergrund.

Weshalb ein Lied darüber? Interessiert doch keinen!: Ein sehr guter Bekannter von mir übt täglich die Tätigkeit des Ausfuhrkassenzettelstemplers aus und erzählt manchmal von seinen Erfahrungen. Dies sollte als Begründung ausreichen.

Warum ist das Lied soooo lang?: Lang? gemessen an den unendlichen Wartezeiten in Staus, an Kassen- und Schalterschlangen ist das nun wirklich ein Klacks.

Aktuell!

Am 15. Juni 2020 fallen sämtlich in den letzten Monaten wegen Corona geltenden Reisebeschränkungen zwischen Deutschland und der Schweiz weg. Am deutschen Zoll abgestempelt werden die Einkäufe übrigens bereits seit 2. Juni 2020 wieder.

Also Schweizer:

Ab in die Startlöcher zum vergnüglichen Einkaufserlebnis!

Bleibt gespannt!

Grenze offen

P.S. Aus naheliegenden Gründen ist dieser Beitrag ausnahmsweise in Schriftdeutsch verfasst.

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2 Biiträg zu “Schwabezollblues mit schriftdeutschen Untertiteln

  1. Ich als Roboter fühl mi diskriminiert. I cha do nüt schriibe ohni am Schluss bim Autogramm z lüüge.

    1. Hallo Robidogioter

      Gopfertamisiäch du schiinsch en klevere Robi z’sy. Erschtens chasch Schwizertütsch, zweitens isch das au na Härkunftverschleiernd. Irgend ä Mischig zwüsche Basel- und Züridütsch mi emene Mü Aargauer- und emene ghörige Schuss Bärndütsch. Aber offebar bisch au no ä Fählproduktion. Du kännsch doch s’zweite Robotergsetz:

      Der Robi dient und klönt nie.

      Und dass du jetzt da am umechlöne bisch, isch offesichtlich.

      Entwäder: du bisch en Robi und chönntisch dich da wiiterbilde, dass weisch was sich ghört.

      Oder: Du tuäsch nume so, als wärsch en Robi so z’säge en Robifakeaccount. Gar nöd guät und scho gar kän Grund zum da Umejammere.

Was meinsch du derzuä?

Dini Mailadrässe wird nöd veröffentlicht. Bitte alli Fälder uusfülle. Merci.

Gschpannt bliibe